

Karneval
Ein Grünrock mit Narrenkappe
Gelsenkirchen-Erle. „Einmol Prinz zo sin“ – davon träumt auch so manch ein Jeck im Ruhrgebiet. Björn Tondorf hat das schon hinter sich. Er war bereits Tollität und auch Majestät, verzierte sein Haupt mit der Narrenkappe und der Königskrone der Middelicher Schützen.
„Einmol Prinz zo sin“ – davon träumt auch so manch ein Jeck im Ruhrgebiet. Björn Tondorf hat das schon hinter sich. Er war bereits Tollität und auch Majestät, verzierte sein Haupt mit der Narrenkappe und der Königskrone der Middelicher Schützen. Und mit Letzterem führt er sogar eine Familientradition fort.
Der Sinn für das Brauchtum wurde dem heute 34-Jährigen in die Wiege gelegt. Mit jungen neun Jahren trat er in den Spielmannszug des Schützenvereins Erle-Middelich ein, spielte dort die Trommel. „Das habe ich gemacht, bis ich so siebzehn, achtzehn war.“ Dann stand dem jungen Mann der Sinn nach Anderem. Doch rund zehn Jahre später fand er zu den Schützen zurück. „Das war 2006. Meine Mutter war gerade Königin und brauchte noch Helfer für das Schützenfest.“ Björn Tondorf war wieder infiziert. Aus Spaß nahm er sogar am Königsschießen teil. „Ich hatte vorher noch nie geschossen“, erinnert er sich lachend an das Wunder, das dann geschah. Er schoss den Vogel ab. „Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet.“
Björn Tondorf nahm, gemeinsam mit seiner Frau Jessica, diese neue Aufgabe an. Und das Paar füllte sie aus. „Ein Jahr später haben wir einen riesigen Königsball ausgerichtet. Mit dem Wendler. Den hatte ich kennen gelernt und engagiert, bevor er so bekannt war.“
Über seine neuen repräsentativen Aufgaben hatte er auch wieder mehr Kontakt zu den Narren im Emscher-Lippe-Land. Auch wenn Björn Tondorf regelmäßiger Gast bei Sitzungen gewesen war, jetzt erst intensivierte sich der Kontakt. Insbesondere zu den Erler Funken. Ein Jahr, nachdem er die Königskrone der Schützen weiter gereicht hatte, „bewarb“ er sich als Stadtprinz. Und das geht ganz einfach, weiß die Ex-Tollität. „Du trittst an den Vorstand heran und sagst, ich möchte Prinz werden. “ Obwohl es einige Mitbewerber gab, fiel die Wahl auf Björn Tondorf. Und der wusste, auch diese Aufgabe zu nehmen. „Das macht ja jeder auf seine eigene Art. Der eine tanzt, der andere singt. Und da ich beides nicht kann, bin ich einfach geblieben, wie ich bin.“ Das Erfolgsrezept war einfach: „Du musst offen sein und mit den Leuten reden.“
Und dann gibt es noch einen gewissen finanziellen Aspekt. „Ganz ohne Geld sollte man nicht kommen.“ Dass die Kosten für den Karnevalsprinzen vor allem dadurch in die Höhe getrieben werden, dass er ständig zum Kaltgetränk lädt, stimme aber nicht. „Dieser Mythos, der Prinz muss Jedem einen ausgeben, der ist nicht wahr.“ Vielmehr schlagen die Kostüme zu Buche. Heute ist Tondorf in beiden Bereichen im Hintergrund aktiv, hat sich auf die Verwaltungsebene zurückgezogen. Auch, um als Vorbild wieder junge Menschen von den Traditionen zu überzeugen. Bei den Erler Funken ist er als Vizepräsident aktiv, im Schützenkreis ist er sogar Geschäftsführer. Und es gelingt ihm, seine Aufgaben mit einem Vollzeitjob als Betriebsleiter eines Gleisbauunternehmens und seinen Pflichten als Familienvater unter einen Hut zu bringen. „Man muss sich gut organisieren. Und ohne den Rückhalt meiner Frau und meiner Eltern ginge das nicht.“
„Einmol Prinz zo sin“, das war für Tondorf ein Traum. Er ist zu einem Stück lokaler Karnevalsgeschichte geworden: „Es gibt noch Leute, die sagen: Da kommt unser Prinz.“


Am 11.11.2011 heiratete unser langjähriger Adjutant Michael Nilsson seine Sonja, natürllich waren wir auch dabei, doch haben wir noch keine Bilder